Eder Ramos ist seit Ende 2020 Global President der Fragrance Division.

MARKT & TECHNOLOGIE

Mit ehrgeizigen Plänen

Zum Jahreswechsel hat sich in der Führungsetage der Divisionen Fragrance und Cosmetic Ingredients einiges getan. Mit Eder Ramos und Dr. Jörn Andreas gibt es zwei neue Global Presidents.

Dr. Jörn Andreas, der neue Global President Cosmetic Ingredients bei Symrise.

Heimat Fragrance

EDER RAMOS, GLOBAL PRESIDENT FRAGRANCE DIVISION, IST SEIT 1983 IN UNTERSCHIEDLICHEN FUNKTIONEN BEI SYMRISE.

Herr Ramos, was bedeutet Wachstum für Sie? Ist der Fokus darauf immer not­wendig? Wachstum ist notwendig. Um die Er­­war­­tu­n­gen der Aktio­näre zu erfüllen, muss man wachsen. Das bedeutet nicht, dass man jedes Jahr zwei­stellige Wachstumsraten er­zielen muss. Was man braucht, ist ein Plan, der nach­haltiges Wachstum über Jahre hinweg sicherstellt, anstatt eines kurzen Kon­junktur­hochs, gefolgt von einem Einbruch. Um nach­haltig zu wachsen, muss sichergestellt sein, dass alle im Unter­nehmen in dieselbe Rich­tung gehen. Und schließlich ist es nicht mehr möglich, nur an Wachstum zu denken, ohne auch die Gesellschaft und die Umwelt zu be­rücksichtigen.

Wachstum ist für Sie nicht nur eine finanzielle Größe. Sie sprechen auch von Werten. Ja. Zum Beispiel: Wir müssen unseren Ein­fluss auf die Umwelt wirklich verstehen. Ich glaube, dass Symrise in dieser Hinsicht einen tollen Job macht. Unser Projekt muss eine nach­haltige, Grüne Chemie sein. Ich denke, dass Symrise ganz oben auf der Liste steht, wenn wir über Duftstoffe in Bezug auf Nach­haltigkeit sprechen.

Wie messen Sie Wachstum auf einer per­sön­lichen Ebene? Wenn ich meine Familie sehe, wenn ich meine Kinder und mein Enkelkind sehe, habe ich das Gefühl, dass ich so viel erreicht habe. Ich habe zwei fantastische Wesen in die Welt gesetzt, ihnen geholfen und einige meiner Werte an sie weitergegeben. Ich bin jetzt 59 und habe einen fan­tas­tischen Menschen, mit dem ich seit über 40 Jahren zu­sam­menlebe. Wir haben immer noch eine Menge Spaß zu­sam­men. Das ist eine große Leis­tung für mich.

Welche Einstellung hat Ihnen geholfen, Ihre Ziele zu erreichen? Disziplin ist wichtig. Man muss eine Strategie haben. Als guter Manager muss man im­mer einen Plan B haben – man­chmal sogar einen Plan C. Ich mag auch kein aggressives Top-down-Management. Wir sind ein Team. Wir arbeiten zusammen und unterstützen uns gegenseitig. Die Atmos­phäre ist ein wichtiger Faktor, um gute Leistungen zu er­bringen. Man muss auch im Voraus sehen, was auf einen zu­kommt, und entsprechend handeln. Schauen Sie sich die Pandemie an. Letztes Jahr im März kam ich aus China zurück. Ich glaube, ich war eine der letzten Personen, die von dort nach Hause reisten. Es war klar, dass gerade etwas Großes passierte. Worauf ich hinauswill, ist Folgendes: In einer solchen Situation brau­chen Sie ein starkes Team hinter sich. Um sich zu ko­or­dinieren, um zu verstehen, was vor sich geht, um die Auswirkungen auf unser Ge­schäft abzuschätzen und um entsprechende Ent­schei­dun­gen zu treffen.

Lassen Sie uns über Ihre neue Position im Fragrance Lead sprechen. Ich habe vor 37 Jahren als Junior im Vertrieb für Düfte ange­fangen. Ich habe meine gesamte Karriere im Duft­be­reich aufgebaut. Dann habe ich die Möglichkeit be­kom­men, zu Cosmetic Ingredients zu wechseln, was anfangs eine Heraus­forderung war. Ich habe viel auf der Kos­me­tik­seite gelernt. Jetzt wieder in die Par­fümerie zu kommen, ist wie eine Heim­kehr, um ehrlich zu sein.

Was sind Ihre Pläne für das Wachstum Ihrer Division in den nächsten Jahren? Fragrance ist ein anerkannter Innovator und Disruptor, der ständig neue Märkte und Ge­schäfts­modelle entwickelt. Die Rück­wärts­in­tegration unserer von der Division AM intern produzierten Roh­stoff­palette und die Füh­rungs­po­si­tion in diesem Bereich sind der Schlüssel für unseren zukünftigen Erfolg. Fragrance hat eine Vorreiterrolle bei der An­wendung von Künstlicher Intelligenz und innovativer Marktforschung über­nom­men. Insbesondere durch Disruption wird sich Fragrance weiterhin von der Konkurrenz abheben.

Rückkehr auf den Wachs­tumspfad

DR. JÖRN ANDREAS, GLOBAL PRESIDENT COSMETIC INGREDIENTS, IST SEIT 2011 IM UNTERNEHMEN.

Herr Dr. Andreas, kann ein Unternehmen nachhaltig sein und ökologisch verantwortlich und gleichzeitig permanentes Wachstum verfolgen? Für mich ist das nicht un­be­dingt ein Wider­spruch. Wachs­tum bedeutet für mich Lernen und Entwickeln und ist daher eng mit Inno­vation und Veränderung verknüpft. Inno­va­tion braucht Res­sour­cen. Diese Ressourcen muss man erwirtschaften. Symrise ist sehr wachstumsorientiert. Das differenziert uns auch am Kapitalmarkt von anderen Unter­nehmen. Dafür müssen wir uns nicht schä­men. Im Gegenteil: Dadurch er­mög­lichen wir Investitionen in Innovation, die dann nach­haltige Lösungen bewirken.

Inwiefern ist der Kapitalmarkt für Symrise wachstums­re­le­vant? Der Kapitalmarkt ist für beide Ziele, Nach­hal­tigkeit und Wachs­tum, extrem wichtig. Nur bei Wachstum kann man Profit erzielen – und damit steigende Aktienkurse. Des­wegen ist es zwingend, dass das Unternehmen wächst und gesund ist. Der Kapitalmarkt – wie jeder ver­nünf­tige Anleger auch – erwartet aber auch, dass Wachstum über ein funk­ti­onierendes, zu­kunfts­orien­tiertes Geschäftsmodell er­wirt­schaf­tet wird. Ansonsten wären der Gewinn und somit die Aktien­kurs­ent­wicklung nicht nachhaltig. Daher ist es so, dass heutzutage Nach­haltig­keitskriterien in An­lage­ent­schei­dungen eine sehr wichtige Rolle spielen. Also braucht es beides. Idealer­weise immer selbst­ver­stär­kend.

Was assoziieren Sie mit dem Begriff „Growth Mindset“? Symrise ist unternehmerisch sehr agil für seine relative Größe. Man würde jetzt mei­nen, dass wir nach so vielen Jahren schon ein Tan­ker sind, aber dadurch, dass Symrise aus meh­reren Unternehmen hervorgegangen ist, ha­ben wir diese sehr stark unter­neh­me­rische Perspektive bei­be­hal­ten. Das ist etwas, was uns auszeichnet und stark macht. Wir schau­en da, wo die Mög­lichkeiten sind, wo Chancen sind. Wir sind relativ schnell darin, uns an­zu­passen und diese Chancen wahr­zu­neh­men, ohne dass wir durch viele Ent­schei­dungs­gre­mien durch­müssen. Das gilt be­son­ders für Cosmetic Ingredients, den Bereich, den ich jetzt über­nommen habe.

Wie messen Sie Wachstum auf persönlicher Ebene? Ich folge einer einfachen Regel: Jeden Tag versuchen, ihn besser enden zu lassen, als er begonnen hat. Ich habe es auch nicht auf­gegeben, ei­nen weiteren Marathon unter vier Stunden zu laufen – trotz eines eng getakteten Tages­ab­laufs in der Familie mit vier Kindern.

Was sind Ihre konkreten Pläne für Cosmetic Ingredients in diesem Jahr? Wir wollen zum Wachstums­pfad zurück­keh­ren. Das ist 2021 unser Hauptziel. 2020 war durch die Pandemie eine Heraus­forderung. Es war kein schlechtes Jahr, aber das erste Jahr ohne Wachstum seit über einer Dekade. Wir werden uns auf die Umsetzung laufender Pro­jekte und unsere wich­tig­sten Neu­ein­füh­rungen kon­zen­trieren. Wir haben auf­re­gende neue Pro­dukte, die unsere Vorreiterrolle in Bezug auf Grüne Chemie und wis­sen­schaftlich geprüfte In­no­vation stärken werden. Pa­ra­llel bauen wir zusätzliche Wachstumsmotoren für eine beschleu­nigte Expansion. Dies beinhaltet gezielte zu­sätz­liche Inves­ti­ti­onen in bestim­mten Fokusmärkten sowie strategische Ak­qui­si­ti­onen. Ein erstes gutes Beispiel ist unsere Investition in das Start-up Sunday II Sunday ge­meinsam mit unserem Kun­den Johnson&Johnson mit Fokus auf eine inno­vative Haarpflege.