WISSENSCHAFT & FORSCHUNG

Wie ein Juwel noch kost­barer wird

Verbesserungen bestehender Produkte sind ein wesentlicher Bestandteil der Symrise Forschung. Die Wissenschaftler bei Aroma Molecules haben eben einen neuen Weg zur effizienteren Herstellung des Riechstoffs Ambrocenide gefunden – und gehen ihn.

Ambra gehört zu den kostbarsten Düften. Er wurde lange aus­schließlich aus dem Verdauungs­trakt der Pottwale gewonnen. Das war und ist sehr teuer. Nur wenige Hersteller von Luxus­parfums verwenden diese Substanz noch immer. Der größte Teil wird jedoch synthetisch hergestellt. Symrise Wissenschaftler entwickelten vor einiger Zeit den Riechstoff Ambrocenide®, der der klassischen Ambra sehr nah kommt: ambriert, holzig, trocken und sehr intensiv. Er ist ein reiner Parfümrohstoff, das heißt, er wird nur zur Kreation von Parfüm­ölen verwendet – dabei aber in allen Arten von Parfümölen. Das fängt an mit der Premium­klasse der Parfümerie, den Fine Fragrances, geht über Personal Care-Düfte, Duschgel, Sham­­­poo, Cremes bis hin zu ganz klas­sischen Haushaltsprodukten, Weich­spülern, Waschmitteln oder Reiniger. Ambrocenide® wird also über die ge­samte Palette eingesetzt.

Ausgangsstoff für die Synthese ist Cedren, eine Substanz aus dem ätherischen Öl von Zedern. Damit liegt der Riechstoff voll im Trend, denn er bedient die starke Nach­frage nach Roh­stoffen aus erneuerbaren Quellen. Hinzu kommt, dass Ambrocenide® einen sehr niedrigen geruchlichen Schwellenwert hat. Man kann also mit einer sehr geringen Menge einen relativ starken Effekt erzielen. „Alles zusammen macht dieses Produkt sehr attrak­tiv“, stellt Dr. Marcus Eh, Director Global Marketing, Aroma Molecules, fest. Es ist also sehr gefragt, der Bedarf ent­sprechend groß. „Wir haben uns daher überlegt, wie wir den Riechstoff deutlich effizienter herstellen könnten und sind damit zu den Forschern des Leibniz-Ins­tituts für Katalyseforschung nach Rostock gegangen“, berichtet Eh. Der Schritt in diese Richtung lag nahe, denn das Institut (LIKAT) und Symrise arbeiten seit etli­chen Jahren auf verschiedenen Gebieten zu­sammen. Außerdem, so Eh, beschäftigen sich die Wissenschaftler bereits länger mit den Reaktionstypen, um die es hier geht.

Dr. Johannes Panten (l.) und Dr. Marcus Eh haben sich überlegt, wie Ambrocenide effizienter hergestellt werden kann.

KÜRZER UND EFFIZIENTER Das Projekt lief etwa anderthalb Jahre. Im ersten Schritt, in der Laborphase am Leib­niz-Ins­titut, führten die Forscher zahl­reiche Versuche durch. Daraus kris­talli­sierte sich dann einer heraus, der am vielversprechendsten und aus­sichts­reichsten ist: Statt mehrerer aufwendiger Reaktionsschritte, die viel Abfall pro­du­zieren, hatten die Leibniz-Forscher einen wesentlich kürzeren, effizienteren Weg gefunden, der das gewünschte Ergebnis bringt. Dieser neue Weg wurde im Symrise Prozessoptimierungslabor ge­tes­tet. „Wir haben versucht, die Ergebnis­parameter nach­zu­vollziehen“, so Marcus Eh. Dem folgte eine Pilotkampagne, bei der einige Hundert Kilogramm des Riech­stoffes hergestellt wur­den. „Diese Ska­lierung war erfolgreich und mithilfe des Techni­kums wurde das Verfahren in einen technischen Maßstab über­führt“, berichtet Dr. Johannes Panten, Inno­va­tions Technology Scouting, Scent & Care. „Für uns be­deutet das jetzt ganz konkret, dass wir viel effektiver unter deutlich we­niger Einsatz von Aus­gangsmaterialien zu unserem Wertprodukt Ambrocenide® kom­men, was letztendlich eines unserer Juwelen im Aroma Molecules-Portfolio ist“, ergänzt Marcus Eh.

SCHUTZ VON GEISTIGEM EIGENTUM Rund um das Produkt Ambrocenide® hat Aroma Molecules eine Patentfamilie eta­bliert. Alles, was die Weiterent­wick­lung von Ambrocenide® betrifft, ist geis­tiges Eigentum von Symrise, das geschützt ist. „Optimierungen und Verbesserungen sind ein stän­diger Bestandteil der For­schungs­bemühungen, denn wir sind ja mit unse­ren Produkten immer im Wett­bewerb“, betont Marcus Eh. „Dazu gehört eben auch der verbesserte Herstellungs­prozess, den wir mit dem LIKAT ent­wickelt haben und der von uns in den technischen Maßstab übertragen wurde.“

Dieser neue Prozess ist ein weiterer Schritt zu einer noch nach­haltigeren Produktion. Da­durch, dass die chemische Reaktion wesentlich gezielter und selektiver ist und auch mehr Ausbeute bringt, wird erstens der Einsatz von Rohstoffen vermindert und zweitens entstehen weniger Abfall­produkte, weniger Neben­produkte. Beides entspricht den Prinzipien der Green Chemistry – der grünen Chemie. „Deshalb zahlt dieses Projekt auch ganz eindeutig auf unser Unternehmensziel ein, die Pro­duktions­prozesse noch nachhaltiger zu gestalten“, so Johannes Panten. „Und je wettbewerbsfähiger wir unsere Prozesse und Produkte gestalten können, desto mehr tragen wir natürlich auch zum Wachs­tum von Symrise bei.“


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