PRODUKTE & KUNDEN

Brücken­bauer

Mit dem Projekt „Bridging the Gap“ setzt sich Symrise für den Wissenstransfer zwischen den Generationen ein – und leistet damit einen bedeutsamen Beitrag beim Aufbau nachhaltiger Wertschöpfungsketten.

Der Geruch frisch geschnittener Minze erfüllt die Luft in der Anbauregion im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh, einige Autostunden östlich von Delhi. Von hier bezieht Symrise den Rohstoff, um ihn als Bestandteil in Aromen und Düften zu verarbeiten. Aber das Unternehmen ist vor Ort nicht nur als Einkäufer aktiv, sondern auch mit dem Nachhaltigkeitsprojekt „Bridging the Gap“.

„Wenn ich für meine Arbeit zum Beispiel nach Indien in die Anbauregionen für Minze reise, dann lerne ich viel“, berichtet Hamish Taylor, Advisor on Sustainability. Seit 2010 unterstützt Taylor das Unternehmen dabei, dass sein ökologisches, ökonomisches und soziales Engagement langfristig erfolgreich ist.

Hamish Taylor arbeitet von Schottland aus, und „Bridging the Gap“, kurz BTG, ist eines seiner zurzeit wichtigsten Nachhaltigkeitsprojekte. „Die Zusammenarbeit mit den Symrise Teamkollegen ist inspirierend und herausfordernd. BTG-Projekte werden bereits in Indien, auf den Philippinen und in Madagaskar umgesetzt. Ecuador und Südafrika befinden sich in der Konzeptionsphase, weitere sollen bald folgen. Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und mit Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Partnern aus der Privatwirtschaft und Nichtregierungsorganisationen arbeiten wir an einer nachhaltigen Entwicklung zur Stärkung landwirtschaftlicher Gemeinschaften“, erklärt Taylor. Gemeinsam erhält das Team viele Anfragen für zukünftige Projekte. „Obwohl die Covid-19-Pandemie unsere Aktivitäten verlangsamt, werden bestehende Projekte dank unseres Partnerschaftsnetzes weitergeführt“, fügt er hinzu.

WICHTIGE ERFOLGSFAKTOREN Es gibt drei wichtige Faktoren, die alle BTG-Projekte erfüllen. Erfolgsfaktor eins: Partnerschaften. Diese sind je nach Land, Anbaugebiet und Rohstoff andere und laut Hamish Taylor ein Garant für den Erfolg eines jeden Projekts – nicht nur, aber auch, weil diese in der „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ der Vereinten Nationen als eines der Entwicklungsziele erwähnt ist. „Eine Partnerschaft einzugehen bedeutet, Kräfte und Erfahrungen zu bündeln und sich langfristig zu verpflichten“, betont Taylor. „Unsere Projekte sind stets auf mehrere Jahre angelegt.“

Erfolgsfaktor zwei ist Profitabilität. „Sie ist Teil unseres Geschäftsmodells“, so Taylor. „Es mag überraschen, dass wir offen über Profit reden. Aber wir stellen sicher, dass jeder in einem ‚Bridging the Gap‘-Projekt versteht, was wir meinen. Jeder in der Wertschöpfungskette muss profitieren. Wir werden nur dann erfolgreich sein, wenn das Projekt für die Bauern und ihre Familien, die Zwischenhändler, Symrise, unsere Kunden profitabel ist, und die Vorteile müssen auch von den Verbrauchern geschätzt werden. Die Erfahrung zeigt, dass die Partner das Interesse verlieren können, wenn man dies nicht gewährleistet, und wir alle verlieren mehr, als wir gewinnen.“

Erfolgsfaktor Nummer drei hat mehrere Facetten: Es ist die Art und Weise, wie gehandelt wird. Dazu zählt, vor Ort aktiv zu sein, auf Augenhöhe miteinander zu kommunizieren und einander zu respektieren, den Landwirten zuzuhören und kontinuierlich aus Erfolgen und Rückschlägen zu lernen. „Es ist ein Miteinander“, sagt Hamish Taylor. Und mit Sicherheit erfordern solch komplexen und anspruchsvollen Projekte eine flexible Führung. „Wenn ich das weiß und entsprechend handle, kann es gelingen, das Unmögliche zuerst zu etwas Möglichem zu machen, um dann das Mögliche Realität werden zu lassen.“

Wir schaffen neue Chancen für die Landwirtschaft, die uns wiederum Zugang zu natürlichen und hochwertigen ­Produkten bringt.
Heinrich Schaper, Vorstand Flavor

Während Hamish Taylor als freier Berater aktiv ist, bringen sich Symrise Mitarbeiter in die einzelnen Projekte ein – international und direkt in den Projektgebieten. Zum Beispiel Mark Birch, Sustainability Director Flavor, und Marion Lettenmeier, Key Account Manager BU Beverages. Beide sind in das jüngste der BTG-Projekte involviert, das in den Philippinen aufgebaut wird und sich um den Anbau der Kokosnuss dreht. Die Partner vor Ort sind der Symrise Kunde Pernod Ricard mit der Marke Malibu, der Hersteller von Kokosnussextrakt Franklin Baker und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). „Und auch die philippinischen Landwirte sind natürlich für uns Teil dieser Partnerschaft“, erklärt Marion Lettenmeier. Kollege Mark Birch ergänzt: „Alle bringen sehr viele Kenntnisse und Erfahrungen mit, dadurch hat das Engagement eine Dynamik.“

Schaut man sich die Details von BTG auf den Philippinen an, wird schnell deutlich, über welche Lücken Brücken gebaut werden müssen. „Eines der dringlichsten Probleme in der Landwirtschaft ist die sogenannte ‚Generation Gap‘. Das ist die Lücke, die entsteht, weil die junge Generation nicht mehr den Beruf der Eltern annehmen will – auch weil sich die Eltern für ihre Söhne und Töchter ein ‚besseres Leben‘ wünschen“, erklärt Mark Birch. Bei der Überwindung dieser Kluft geht es darum, die Lebensfähigkeit der kleinbäuerlichen Landwirtschaft für die heutige Generation von Landwirten zu stärken und sie damit für die künftige Generation attraktiver zu machen. „Und es drohen Gefahren, die nicht vom Einzelnen zu beherrschen sind“, erklärt Mark Birch. Der Fall unter die Armutsgrenze ist oft nur einen Tropensturm entfernt. Das liegt auch daran, dass es weitere „Lücken“ gibt, zum Beispiel Wissenslücken. Denn es müssen zahlreiche Fragen beantwortet werden: „Wie wirtschaftet man nachhaltig auch als kleiner Betrieb? Wie funktioniert moderne Buchhaltung? Sind die von den Eltern gelernten Anbaumethoden die effizientesten? Durch welche Sorte Palme muss ich zu alte Bäume ersetzen? Ist die Versorgung mit sauberem Trinkwasser für die Ortschaft gesichert? Wie geht man mit dem Klimawandel um? BTG hilft den Menschen, Antworten zu finden. „Für mich ist das ein sehr emotionales Projekt – besonders seitdem ich die Kokosnussplantagen selbst besucht, die Herausforderungen vor Ort gesehen und begriffen habe“, gesteht Marion Lettenmeier.

Deepak Chamola, verantwortlich für die Finanzprodukte in der GIZ Indien, und Dorothea Kilb, Co-Leiterin des SDG Compact „Bridging the Gap“-Programms

NP Singh, Feldteamkoordinator bei der Nichtregierungsorganisation Tanager, zeigt eine Prüfkarte, mit deren Hilfe die Bodengesundheit beurteilt wird.

Beim Kokos-Projekt auf den Philippinen werden die Farmer und ihre Familien beim wirtschaftlichen Anbau der Nüsse unterstützt.

In regelmäßigen Abständen treffen sich alle Projektbeteiligten, um die Prozesse zu besprechen.

Mit Partnerschaften UN-Nachhaltigkeitsziele erreichen

Symrise möchte durch seine Geschäftstätigkeit dazu beitragen, dass die von den Vereinten Nationen (UN) formulierten Ziele für eine nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals - SDGs) erreicht werden können. In 15 Minuten zeigen beeindruckende Bewegtbilder aus dem Amazonasgebiet, Madagaskar oder aus anderen Teilen der Welt, wie Symrise durch lokale Partnerschaften nachhaltig wirtschaftet und die Beteiligten vom Wertschöpfungsprozess profitieren.

Das auf vier Jahre angelegte BTG-Projekt in den Philippinen hat klar definierte Ziele: 500 Landwirte und ihre Familien werden durch das Programm unterstützt und geschult, ihr Umsatz soll um 15 Prozent steigen. „Die Menschen erkennen, dass nachhaltige Landwirtschaft die bessere Landwirtschaft ist“, sagt Mark Birch.

Das gilt auch für das BTG-Projekt im Minzeanbau in Indien. „Durch die Zusammenarbeit mit dem US-Nahrungsmittelhersteller Mars haben wir Zugang zu insgesamt 25.000 Landwirten“, sagt Ramkumar Venkataraman, VP Global Sustainable Sourcing for Scent & Care. Er ist beeindruckt von den Kennzahlen, die der Pilotphase gesehen folgen: 256 Minzbauern wurden ausgebildet, die Produktionskosten um 14 Prozent reduziert, die Produktivität um 34 Prozent erhöht und das Einkommen um erstaunliche 157 Prozent gesteigert.

„Besonders langfristig wird unser ‚Bridging the Gap‘-Projekt einen riesigen Unterschied machen“, sagt Laurence Briand, Sustainable Development Manager und Co-Lead für das Indien-Projekt. Denn Minze ist die Lebensgrundlage vieler Menschen – Indien produziert 80 Prozent des weltweiten Angebots, das von mehr als 750.000 Kleinbauern angebaut wird.“ BTG kann hier viel bewegen, weil die Partner groß sind. „In Indien sind wir ein Team aus Mitarbeitern von Mars, vom indischen Technologiezentrum Nectar, von der deutschen GIZ sowie von der Schulungs-NGO Tanager“, sagt Laurence Briand. „Diese Reichweite hilft uns sehr, hier in einem großen Maßstab Nachhaltigkeit in der gesamten Lieferkette zu etablieren.“

Heinrich Schaper, Vorstand Flavor, erklärt, welche Zukunftspläne Symrise für „Bridging the Gap“ verfolgt. „Es wird neue Produkte, Partner und Anbaugebiete geben. Vor allem aber wollen wir einen langfristigeren Ansatz verfolgen, der durch ein zehnjähriges Engagement für das BTG-Programm und seine Projekte gemeinsam mit der GIZ untermauert wird. Das wird uns zu einem noch zuverlässigeren Partner für die Landwirte machen. Unsere Botschaft: „Wir sind für sie und unsere Kunden da – heute, morgen und auf lange Sicht.“

Partnerschaften


Mit dem Programm „Bridging the Gap“ im Rahmen des UN Global Compact ermöglicht Symrise Lernpartnerschaften zwischen Lieferanten und Kunden – und damit einmalige direkte Verbindungen über das gesamte Wertschöpfungsnetzwerk hinweg. Diese transparenten Vernetzungen ermöglichen es Symrise, wirkungsvolle Interventionsprogramme mitzugestalten, die die Bedingungen der Landwirte vor Ort verbessern und den Kunden die Gewissheit geben, ihre erweiterte Lieferkette durchgängig im Blick zu haben. Bis 2023 soll sichergestellt werden, dass mehr als 70 Prozent der beteiligten Landwirte klimaintelligente landwirtschaftliche Praktiken anwenden, deren Zugang zu Finanzmitteln erleichtert wird sowie Jungunternehmer vor Ort gezielt gefördert werden. Dafür investieren Symrise und Projektpartner in den kommenden vier Jahren zehn Millionen Euro.


Alle UN-Nachhaltigkeitsziele finden Sie im SymPortal: https://t1p.de/SYM-SDG