MARKT & TECHNOLOGIE

Kreislauf­wirtschaft in der Fisch­zucht

Garnelen sind beliebt. Platz zwei der größten Produzenten hält Ecuador. Doch in den Fischfarmen des Landes fallen auch wertvolle Reststoffe an. Ein Team der BU Aqua sah darin die Chance für ein neues Produkt, das gleich auf mehrere Weise zu mehr Nachhaltigkeit beiträgt.

Wenn Hiroshi Ozeki aus dem Fenster seines Büros im ecuadorianischen Durán schaut, kann er den Fischern auf dem Guaya-Fluss beim Arbeiten zusehen. Er hat seine Kunden quasi vor der Haustür. Denn Ozeki ist der Leiter der Business Unit Aqua für die Regionen LATAM und NA. Die Symrise Produktionsanlage befindet sich mitten im Zentrum der ecuadorianischen Garnelenproduktion.

Garnelen gehören neben Erdöl und Bananen zu den wichtigsten Exportprodukten des Landes. 2019 lieferte Ecuador Schalentiere im Wert von 3,6 Milliarden US-Dollar in alle Welt. Die Tiere werden in großen Aquafarmen drei bis vier Monate gezüchtet, dann verarbeitet, verpackt und exportiert. Einige Abnehmer wollen die Shrimps ohne Kopf und ohne Schale. Einzig die Schwanzflosse darf bleiben. Geschält wird direkt nach dem Fangen in den Fabriken vor Ort. Über fünf Tonnen Shrimps-Reste kommen so im Monat zusammen. „Diese Rückstände waren für die Industrie bis vor einigen Jahren ein großes Problem“, sagt Hiroshi Ozeki. „Sie landeten nicht selten auf nahegelegen Feldern.“ Es musste eine umweltverträgliche Lösung her.

„Wir sahen in den Fangresten weniger ein Problem als eine Chance“, sagt Ozeki. Vor allem die Köpfe der Shrimps stecken voller Nährstoffe. Die Experten aus der BU Aqua machten sich daran, auf Basis ihrer Hydrolyse-Erfahrungen ein Verfahren zu entwickeln, um aus den Garnelenresten einen hochwertigen Inhaltsstoff für Fischfutter herzustellen. Unterstützt wird dieser Hydrolyse-Prozess mithilfe von Enzymen. Das Ergebnis ist Actipal HP 1, ein an Peptiden reiches Pulver, das nahrhaft ist, die Gesundheit der Fische erhält, eine lange Haltbarkeit hat und leicht zu transportieren ist – ideal für die Bedürfnisse der Fischfutterhersteller. Wichtig für die gleichbleibend hohe Qualität des neuen Produktes ist die Qualität der Fangreste aus den Garnelen. Und die sei in Ecuador sehr hoch, erklärt Ozeki. Das habe mit der Art und Weise der Garnelenzucht im Land zu tun.

Henry Hiroshi Ozeki Campos, leitet die Business Unit Aqua in den Regionen LATAM und NA.

Damit das Modell der Kreislaufwirtschaft funktioniert, ist es wichtig, dass die Mitarbeiter der BU Aqua die Qualität der Seitenströme im Blick haben.

2019 lieferte Ecuador Schalentiere im Wert von 3,6 Milliarden US-Dollar in alle Welt.

In Pulverform verfügt Actipal HP1 über eine lange Haltbarkeit und eignet sich gut für den Transport.

In Ecuador würden weniger Tiere pro Quadratmeter Wasser gezüchtet als in anderen Ländern. Zudem sei der Einsatz von Antibiotika zum Schutz gegen Krankheiten sehr gering, so Ozeki. Und auch der Standort der Produktionsanlage spielt für die Qualität eine Rolle. „Wir sitzen deshalb hier in Durán, um Transportwege kurz zu halten, und wir verarbeiten die Garnelenprodukte innerhalb von 24 Stunden nach dem Fang“, erklärt Ozeki. Actipal HP 1 wird weltweit verkauft. Die wichtigsten Abnehmer sitzen in Europa. Ein Großteil des Produktes geht an die Lachsfarmen in Norwegen. Um die Fischzucht so umweltverträglich wie möglich zu gestalten, gelten hier hohe Auflagen – auch für Fischfutter. Aquafarming gehört zu den am schnellsten wachsenden Sektoren der Nahrungsmittelproduktion weltweit. Doch die kommerzielle Zucht von Fischen hat ihre Tücken. Kritiker bemängeln immer wieder die Belastung des Wassers durch die Fischfarmen und den Fokus auf Raubfische in der Zucht, die für ein gesundes Wachstum oft mit Wildfischen gefüttert werden. Durch den Einsatz von Actipal HP 1 und seinen hohen Nährwert müssen Fischfarmer weniger Wildfang verfüttern. Der Inhaltsstoff in den Futterpellets lockt die Tiere an und sie nehmen das Futter auf, bevor es auf den Grund sinken und zu einer Umweltbelastung werden kann. Er liefert sogar eine kleine Menge eines lipidlöslichen Pigments, das für Garnelen charakteristisch ist. Hiroshi Ozeki ist überzeugt: „Mit Actipal HP 1 tragen wir dazu bei, die kommerzielle Fischzucht langfristig nachhaltiger zu gestalten.“


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