CORPORATE & STRATEGIE

Wir haben einen klaren Aktions­­plan

Bernhard Kott, Senior Vice President Corporate Communications und Chief Sustainability Officer, spricht über die Nachhaltigkeitsziele bei Symrise und warum wirtschaftlicher Erfolg, nachhaltige Unternehmensführung und gesellschaftliche Akzeptanz sich nicht ausschließen.

Bernhard Kott ist seit Januar auch Vorsitzender des Sustainability Board.


Team Spirit Seit Januar 2020 haben Sie neben der Funktion als Leiter der Konzernkommunikation die Position des Chief Sustainability Officers übernommen. Wie nehmen Sie die zusätzliche Rolle wahr? Bernhard Kott Kommunikation und Nachhaltigkeit waren bereits immer sehr eng verzahnt. Daher war das Einarbeiten in die Themen nicht so schwierig. Die ersten Monate eines Jahres sind bei uns geprägt durch das Fertigstellen des Unternehmens-(Nachhaltigkeits)-Berichts. Das nimmt viel Zeit in Anspruch. Nach dessen Veröffentlichung habe ich viele Gespräche über die Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsziele bei Symrise geführt. Insbesondere mit den Nachhaltigkeitsverantwortlichen der Geschäftsbereiche und den Sustainability Board-Mitgliedern habe ich mich eng ausgetauscht.

Was werden die großen Herausforderungen und Zielsetzungen in Sachen Nachhaltigkeit sein? Ein Thema ist der Klimawandel. Hier haben wir uns ehrgeizige Ziele gesetzt. Ab 2030 soll unser Unternehmen klimapositiv sein. Es gibt einen klaren Aktionsplan, wie wir das erreichen wollen. Weiterhin wollen wir ab 2025 nur noch sogenannten „Grünstrom“ einsetzen. Beide Initiativen wird das Nachhaltigkeitsteam mit Nachdruck verfolgen. Ein weiteres Thema ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt Symrise ist ein Unternehmen, das in starkem Maße von der Natur abhängig ist. Wir setzen wichtige Naturstoffe aus allen Teilen der Welt ein, somit auch aus verschiedensten Klimazonen. Wir müssen unsere Natur schützen. Dazu wollen wir unseren Beitrag leisten.

Was bedeutet das konkret? Wir haben frühzeitig damit begonnen, wichtige Rohstoffe aus nachhaltigem Anbau zu beschaffen und uns aktiv in den Herkunftsländern zu engagieren. Dieses Engagement z. B. bei Vanille in Madagaskar ist allgemein anerkannt und eine Referenz für die erfolgreiche Rückwärtsintegration in Schlüsselrohstoffe. Aber es gibt auch andere vielversprechende Projekte. Zum Beispiel das Projekt „Bridging the Gap“ (BTG). Hier werden unter der Projektleitung von Mark Birch, Sustainability Flavors, bereichsübergreifend Rohstoffinitiativen wie Minze aus Indien, Kokosnuss von den Philippinen oder auch weiterhin Vanille aus Madagaskar mit großen Kunden, Nicht- Regierungsorganisationen und lokalen Symrise Teams vorangetrieben. „BTG“ ist ein gutes Beispiel, wie wir unsere Anstrengungen in eine nachhaltige Rohstoffbeschaffung direkt mit Kundenprojekten in Geschäftserfolge überführen. Weiterhin profitieren die lokalen Bauern, in dem wir mit ihnen eine nachhaltige Landwirtschaft aufbauen. Allerdings ist aufgrund der Corona Pandemie die Projektsteuerung extrem schwierig.

Ein weiteres Beispiel ist das Geschäftsmodell in unserem Segment Nutrition. Traditionell nutzt es das Beste der Natur und verwertet Nebenströme aus den Industrien und von neuen Märkten, um nachhaltige Lösungen für eine bessere Ernährung weltweit zu entwickeln. Damit wollen wir für einen besseren Gesundheitszustand und für Wohlbefinden durch Ernährung sorgen und gleichzeitig zu einer Kreislaufwirtschaft beitragen. Daher arbeitet das Nachhaltigkeitsteam unter der Leitung von Marie Le Hénaff am Projekt „Future Fit“, um Initiativen mit langfristigem Nachhaltigkeitsengagement zu priorisieren und zu fördern.

In wie weit spielen nachhaltige Technologien beim Rohstoffeinsatz eine Rolle? Nehmen wir das Beispiel „Green Chemistry“. Das Segment Scent & Care ist hier äußerst erfolgreich tätig. Sei es bei der chemischen Verarbeitung von nachwachsenden Rohstoffen, wie Pinien, Ausgangsmaterial für Terpene, die wir im amerikanischen Jacksonville ressourcenschonend herstellen. Oder sei es beim Einsatz natürlicher Inhaltsstoffe für kosmetische Wirkstoffe, z. B. aus Zuckerrohr bei Hydrolite-Green, einem wichtigen Baustein für Körperpflegeprodukte. Ein anderes Beispiel ist der wohl weltbeste Prozess zur Herstellung von Menthol, bei dem praktisch keine Reststoffe anfallen. Die operativen Teams der Bereiche entwickeln die Prozesse kontinuierlich weiter. Philippa Smith, bei S&C für das Nachhaltigkeitsmanagement verantwortlich, zeigt diesen Technologievorsprung für Symrise klar auf. Hier wird eine herausragende Arbeit geleistet die übrigens von unseren Kunden sehr geschätzt wird. Ein Beispiel aus dem Bereich Nutrition möchte ich noch geben. Unter dem Projektnamen „Future Fit“ beleuchten hier die Nachhaltigkeitsteams unter Leitung von Marie LeHenaff und Vanina Bordier die zukünftige nachhaltige Ausrichtung des Bereichs. Ziel ist der Anspruch „Bring better Nutrition to the World“.

Wie vernetzen Sie die diversen Aktivitäten bei Symrise und wen betreffen sie? Grundsätzlich betrifft Nachhaltigkeit jeden einzelnen in unserem Unternehmen. Das Sustainability Board koordiniert übergreifend und stößt zudem gezielt Maßnahmen an. Weiterhin haben wir ein weltweites Ambassador-Netzwerk. Hier werden sehr viele kleine und große Ideen zu mehr Nachhaltigkeit direkt von Symrisern in aller Welt umgesetzt. Jeder Mitarbeiter kann seinen Beitrag leisten bzw. auf Dinge hinweisen, wo wir explizit noch nicht nachhaltig handeln.

Welche Rolle übernimmt der Vorstand in Sachen Nachhaltigkeit? Der Vorstandsvorsitzende, Herr Dr. Bertram, ist der oberste Nachhaltigkeitsverantwortliche in unserem Unternehmen. Die Bereichsvorstände verantworten und treiben Nachhaltigkeitsinitiativen in ihren Einheiten und Teams. Dazu gehören Maßnahmen, die ich gerade genannt habe. Corporate Sustainability treibt bereichsübergreifende Maßnahmen und sorgt für Wissensaustausch. Nehmen wir Herrn Dr. Bertram, er vertritt Symrise darüber hinaus nach außen. So ist er Jury- und Kuratoriumsmitglied beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis, den wir bereits zweimal gewonnen haben. Er ist aktiv beim World Business Council für nachhaltige Entwicklung oder auch unser Vertreter bei der Initiative OP2B (One Planet for Business). Dort tauschen sich Firmenchefs unserer großen Kunden und Wettbewerber über die großen Herausforderungen aus, insbesondere wenn es um den Erhalt unserer Biodiversität und natürlicher Rohstoffquellen geht.

Was sind die aktuellen Themen aus dem Tagesgeschäft des Corporate Sustainability Boards? Zum einen haben wir sehr viele Berichtspflichten zu erfüllen. So erhalten wir zunehmend aus dem Investorenkreis Fragen zu unserer sogenannten ESG-(Environmental, Social, Governance)-Performance, also zu den Belangen Umweltschutz, sozialem Engagement und der guten Unternehmensführung. Investor Relation mit Tobias Erfurth koordiniert diese Anfragen, die wir aus dem Nachhaltigkeitsteam heraus beantworten. Ähnlich wie bei Finanzfragen, denen sich ein börsennotiertes Unternehmen täglich stellen muss. Neben den zahlreichen Fragen von Investoren bewerten uns auch namhafte Ratingagenturen wie MSCI, Sustainalytics, ISS ESG, CDP, EcoVadis, SEDEX zu unserer Nachhaltigkeitsleistung, die Dr. Helmut Frieden verantwortet. Weiterhin koordiniert er die zahlreichen Social Compliance Audits, die von unseren Kunden und Investoren gefordert werden und verantwortet die Berichterstattung der nicht-finanziellen Leistungskennzahlen für den jährlichen Unternehmensbericht. Auf vielen Ebenen wird die nachhaltige Leistungskraft von Symrise kontinuierlich mit dem Wettbewerb, Kunden und gesetzlichen Vorgaben verglichen. Doris Gattermann steht im täglichen Austausch mit dem Ambassdor-Netzwerk und ist der Kontakt zu externen Organisationen wie dem World Business Council für eine nachhaltige Geschäftsentwicklung. So vernetzen wir interne und externe Aktivitäten und haben das Ohr am Markt.

Unser Experte und Ansprechpartner für Biodiversität ist Sascha Liese. Er steht den operativen Bereichen mit Rat und Tat zur Seite. Hier gibt es insbesondere von Kundenseite sehr viele Fragen. Ein Thema von elementarer Wichtigkeit sind die Sicherheit und der Gesundheitsschutz unserer Mitarbeiter. Hier werden verschiedenste Maßnahmen koordiniert, untern anderem ein Pilotprojekt bei Tesium in Holzminden.

Auch in den Medien wird viel über Nachhaltigkeit geschrieben, was ist unser Anspruch? Wir wollen für unsere Maßnahmen den Beweis antreten und nicht schönreden. Nehmen wir das Klimaziel 2030. Wir waren das 61. Unternehmen weltweit, das sich schon 2017 dazu bekannte, den Fortschritt extern bestätigen zu lassen. In Deutschland gehörten wir zu den ersten zehn, die der Initiative „Science Based Targets“ beigetreten sind. Weiterhin orientieren wir uns eng an den Sustainability Development Goals, also den Zielen der Vereinten Nationen und berichten über unseren jährlichen Fortschritt. Für Symrise haben wir unsere Nachhaltigkeitsaspekte in vier Themenblöcken gegliedert: Umweltschutz, Mitarbeiter und Gesellschaft, Rohstoffbeschaffung und nachhaltige Innovationen. Sie bilden den Rahmen, den wir seitens des Gesetzgebers jährlich zertifizieren müssen. Verantwortet werden diese nichtfinanziellen Kennzahlen vom Symrise Aufsichtsrat. Für ein börsennotiertes Unternehmen bringt das ein hohes Maß an Komplexität mit sich.

Was ist die strategische Klammer der Themen für 2020? Die Klammer dieses und kommenden Jahres ist das Thema Natur. Davon ist unser Geschäft abhängig. Sogar die Firmengründung in 1874 geht darauf zurück, als die Nadelhölzer des Sollings als Rohstoff für die Gewinnung naturidentischen Vanillins waren. Die Grafiken zeigen die vielen Facetten und die Relevanz zu unserem Geschäft und unseren täglichen Anstrengungen. Hier spiegeln sich die wesentlichen Aktivitäten bei Symrise, unseren Kunden sowie die umweltpolitischen und gesellschaftlichen Herausforderungen wider. In der Nachhaltigkeitskommunikation, die Friedrich-Wilhem Micus verantwortet, wird das Leitbild Natur mit all seinen Facetten über das Jahr hinaus beleuchtet. Über Maßnahmen und Fortschritt werden wir berichten und einen besonderen Focus in den Nachhaltigkeitsbericht des nächsten Jahres darauf legen.

Die Klammer dieses und kommenden Jahres ist das Thema Natur.