MARKT & TECHNOLOGIE

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Symrise und Unilever heben ihre Zusammenarbeit auf eine neue Stufe. Im Herzen des Unilever Foods Innovation Centre haben die Flavor-Experten ein Innovationslabor eingerichtet. Das bedeutet einen intensiveren Austausch, Forschungsnähe, kürzere Wege und schnellere Abstimmungen.

Wo entstehen die besten Ideen? Dort, wo Menschen aus verschiedenen Bereichen mit ausgewiesenem Fachwissen zusammenkommen, die eine gemeinsame Leidenschaft, ein gemeinsames Ziel haben. Zu besichtigen ist so ein kreativer Ort an der niederländischen Wageningen University & Research. Dort befindet sich auf dem Food Campus das Innovations­zentrum „Hive“ von Unilever, in dem der Konsumgüterhersteller und Symrise seit Juni eine neue Form der Zusammenarbeit praktizieren. „Mit diesem Ansatz können sich unsere Unternehmen optimal verzahnen und gemeinsam kreativ und effizient neue Produkte entwickeln“, sagt Heinrich Schaper, Vorstand Flavor bei Symrise. „Außerdem profitieren wir hier von der wissenschaftlichen Expertise der weltweit besten Lebensmittelforscher.“

KURZE WEGE Hinter dem integrierten Geschäftsmodell steckt ein zukunftsorientiertes Konzept, was die Geschäftsbeziehung der Partner auf ein neues Niveau hebt. Unilever hat das Innovationszentrum gegründet und Symrise ist darin mit einem eigenen Labor, einer Anwendungsküche und Meeting-Räumen auf insgesamt 120 Quadratmetern Fläche präsent. „Der gemeinsame Standort in Wageningen fördert unsere Innovations­fähigkeit“, ist sich Gérald Delettré, Vice President Global Account Unilever Group, sicher. Er ist quasi eine Außenstelle. Diese Form der Zusammenarbeit ist Teil eines „Eco-system Approach“, wie Unilever es nennt: Mehrere Partner arbeiten in unmittelbarer räumlicher Nähe. „Und wir sind als Flavor House ein Teil davon“, sagt Christoph Götzel, Global Account Director Unilever Foods. „Zuvor haben wir unsere Produktideen in den eigenen Anwendungslaboren in Holzminden entwickelt und sie anschließend dem Kunden in seinen Räumen oder bei uns vorgestellt. Jetzt haben wir nahezu alle Verkaufsprodukte für Unilever hier vor Ort“, ergänzt Marian Kempf, Business Support Unilever Foods.

Der gemeinsame Standort in Wageningen fördert unsere Innovations­fähig­keit.

Gérald Delettré, Vice President Global Account Unilever Group

Das bedeutet für das tägliche Geschäft kurze Wege und persönliche Begegnungen. Wenn ein Unilever-Kollege kommt und ein Muster möchte, klopft er einfach nur an der Tür. Die Symriser holen es aus dem Schrank, können ihm gleich eine Dosierung durchgeben und einen Preis sagen. „Gegebenenfalls applizieren wir es sogar selber in unserer Küche und verkosten dann auch“, betont Bastian Bauer, Regional Key Account Manager Unilever Foods EAME. „So was war vorher gar nicht möglich.“ Ganz anschaulich wird diese neue Form der Zusammenarbeit am Beispiel eines Projekts zusammen mit „The Vegetarian Butcher“. Das Unternehmen ist Teil des Unilever-Kosmos und produziert unter anderem vegane Burger-Patties und vegane Chicken Nuggets. Jetzt soll es einen Burger mit einer neuen Grillnote geben. Das Key Account Team um Christoph Götzel, Bastian Bauer und Marian Kempf stimmt sich zunächst mit den Experten aus der Applikation und einer Flavoristin ab, um das Briefing besser zu verstehen und offene Fragen zu klären.

Außerdem hatte der Kunde ein Burger-Patty mitgeschickt, dessen Geschmack bereits in die gewünschte Richtung geht. Dazu gab es Informationen zur Dosierung und eine Kostenspanne, in der sich das fertige Flavor bewegen soll. „Das muss alles klar sein, bevor unsere Arbeit beginnt“, sagt Marian Kempf. Als dann nach der Verkostung des vorerst finalen Produktmusters alle zufrieden waren, trafen sich die Flavor-Spezialisten mit den Butcher-Experten zu einem Workshop im „Hive“. Dort wurden die vorbereiteten Muster aus Holzminden vom Kunden verkostet. „Wir bekamen gleich die Kommentare und Änderungswünsche und konnten die Muster sofort entsprechend anpassen“, erklärt Kempf. Der ersten folgten eine zweite und eine dritte Verkostungsrunde – nach demselben Prozedere. Alles an einem Tag. Bastian Bauer erläutert: „Was innerhalb von wenigen Minuten, von wenigen Stunden aufgenommen und umgesetzt werden kann, macht die Abläufe sehr effizient.“ Neben der Zeit- und Kostenersparnis können Produkte so viel schneller auf den Markt kommen.

Die Produktentwickler von Vegetarian Butcher haben direkt vor Ort die Symrise Lösungen in ihren Produkten verkostet und optimiert.

Intro Clip Unilever Team for Wageningen

VONEINANDER LERNEN „Dieser neue ‚Way of Working‘ ist eben auch ein Zeichen unserer seit Jahren bestehenden Partnerschaft“, resümiert Gérald Delettré. Und Christoph Götzel ergänzt: „Wir bewegen uns mit dem Kunden auf einer ganz anderen Ebene. Wenn jemand zu uns kommt und etwas abholt, dann unterhalten wir uns eben auch über andere aktuelle Projekte und loten dabei Möglichkeiten für weitere Kollaborationen aus.“ Denn die gehören zum Konzept von „Hive“.

Die Konzentration von Fachwissen und Kreativität auf dem Campus ist ideal, um eine bereichsübergreifende Projekt- und Entwicklungsarbeit an den großen Zeitgeist-Themen, wie Klimaschutz die Vermeidung von Lebensmittelabfällen oder dem Entgegenwirken von Fettleibigkeit und Unterernährung anzuschieben. Und es geht um die Reduzierung von Zucker und Salz in Nahrungsmitteln, wo sich zum Beispiel Forscher von Symrise und Unilever treffen, um neue innovative Produktideen zu entwickeln.

Symrise veranstaltet auch Training Sessions zu verschiedenen Themen für Unilever-Produktentwickler. Im Juni erklärte eine Flavoristin, was eigentlich hinter den Aromen steckt. Oder was Sensorik bedeutet und welche Geschmacksrichtungen es gibt.

Dabei wurde dargestellt, nach welchen Kriterien Geschmack beschrieben werden muss, damit Flavoristen und Anwendungstechniker gezielt arbeiten können. „Es schmeckt oder es schmeckt mir nicht, reicht da nicht“, so Bauer. ­

Im September ging es in den Training Sessions ausführlich um Nachhaltigkeitsthemen. Es wurde unter anderem an den Beispielen Zwiebel und Vanille erklärt, wie sowohl die Erzeuger, die Kunden und die Verbraucher von den nachhaltigen Lösungen profitieren. Aktuell finden diese Training Sessions virtuell statt, sollen aber in Zukunft auch als Präsenzveranstaltung angeboten werden.

Vielleicht ist die neue Form der Zusammenarbeit auch mit anderen Kunden möglich. Denn der Wissensaustausch sowohl mit den Kunden als auch mit Forschungs­einrichtungen an einem gemeinsamen Standort soll sich zum Erfolgsmodell entwickeln. Mit Unilever funktioniert das integrierte Modell bereits. „Wir stehen zwar erst am Anfang der Entwicklung. Aber dafür sind aus meiner Sicht bereits viele Vorteile dieser Zusammenarbeit sichtbar geworden“, stellt Gérald Delettré abschließend fest.

Was ist das integrierte Modell?

JOHN TRIGGS, SENIOR VICE PRESIDENT – GLOBAL ACCOUNTS, BEANTWORTET FRAGEN ZUM NEUEN GESCHÄFTSMODELL

1 Wie wichtig ist der Ansatz für die Entwicklung von Flavor? Das integrierte Geschäftsmodell ist äußerst wichtig für unsere Beziehung zu Unilever. Es zahlt auf unser Bestreben nach partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit unseren Kunden ein. Diese Philosophie teilt auch Unilever: Gemeinsam direkt vor Ort zu sein, ist ein unglaublicher Vorteil. Wir haben viel Einfluss und können unsere Zusammenarbeit im Lebensmittelbereich ausbauen und voranbringen.

2 Wie verändert dieser Ansatz die herkömmliche Kundenbeziehung? Es geht um integrierte Arbeitsweisen und eine noch engere Zusammenarbeit. Am Standort Wageningen zu sein, hilft Symrise, sich mehr einbringen zu können. Das führt uns letztendlich näher an die Wertschöpfungskette von Unilever und seinen Marken heran und stellt damit eine nahtlose Erweiterung ihrer Entwicklungsmöglichkeiten dar. Wir sind Teil der Familie.

3 Kann das Konzept in anderen Bereichen übernommen werden? Ja. Es gibt bereits Beispiele, bei denen wir zusammen mit mehreren globalen Key Account-Kunden (GKA) neue Modelle zur Zusammenarbeit entwickelt haben. Integrierte Ressourcen, engere Zusammenarbeit und Schnelligkeit in der Ausführung bestätigen, dass diese Arbeitsweisen bei der Betreuung unserer GKA einen Wandel bewirken. Man kann zurecht sagen, dass das Vertrauen und die Fähigkeiten von Symrise solche Entwicklung ermöglichen. Und das ist nicht nur auf Flavor beschränkt. Wichtig ist, dass die Entscheidung für ein integriertes Modell ein gemeinsames Unterfangen ist, bei dem gemeinsame Ziele und Wachstumsbestrebungen die Essenz einer nachhaltigen Partnerschaft sind.


Alle UN-Nachhaltigkeitsziele finden Sie im SymPortal: https://t1p.de/SYM-SDG


Einen 360-Grad-Rundumblick in die neue Location erhalten Sie hier: https://t1p.de/SYM-Hive360